Material Handling 4.0 - Der celluveyor

Hendrik Thamer

Der celluveyor – cellular conveyor, abgekürzt celluveyor, ist ein hochflexibles modulares Förder- und Positioniersystem, das auf dem Ansatz der zellularen Fördertechnik basiert. Wir sprachen mit Dr.-Ing. Hendrik Thamer, Abteilungsleiter „Robotik und Automatisierung“ am BIBA sowie CEO der cellumation GmbH, über die Funktionalitäten und Besonderheiten des Fördersystems.

Der celluveyor – cellular conveyor, abgekürzt celluveyor, ist ein hochflexibles modulares Förder- und Positioniersystem, das auf dem Ansatz der zellularen Fördertechnik basiert. Die Technologie ist als Entwicklungsprojekt des Bremer Instituts für Produktion und Logistik GmbH (BIBA) an der Universität Bremen gestartet und wird jetzt durch ein Spin-off des BIBA, der cellumation GmbH, an den Markt gebracht. Das BIBA beschäftigt sich in seinen Forschungsprojekten mit technologischen und organisatorischen Herausforderungen, die es im Rahmen von Industrie 4.0 zu lösen gilt. Im Rahmen von Vorarbeiten im Forschungsbereich Intelligente Produktions- und Logistiksysteme (IPS) wurde das neuartige omnidirektionale Förder- und Positioniersystem erstmals konzipiert und ein Demonstrator entwickelt, der die Funktionsweise erfolgreich belegt. Zudem wurde die Technologie erfolgreich in der Praxis pilotiert.

Wir sprachen mit Dr.-Ing. Hendrik Thamer, Abteilungsleiter „Robotik und Automatisierung“ am BIBA sowie CEO der cellumation GmbH, über die Funktionalitäten und Besonderheiten des Fördersystems.

Wie funktioniert der celluveyor?
Das modulare Förder- und Positioniersystem besteht aus kleinen sechseckigen Modulen, in denen sich speziell angeordnete omnidirektionale Räder befinden, die jeweils einzeln und gezielt angesteuert werden. Dadurch können wir mehrere Objekte gleichzeitig und unabhängig voneinander auf beliebigen Bahnen bewegen oder auch positionieren. Es können hierdurch komplexe Materialflussaufgaben, die heutzutage über sehr große Anlagen realisiert werden, auf kleinstem Raum erledigt werden

Was ist das Besondere am „celluveyor“?
Der celluveyor vereint die Effizienz von Automatisierungssystemen mit der Flexibilität von manuellen Prozessen. Er ist eine hoch performante Fördertechnik, die prinzipiell universell einsetzbar ist. Durch die intelligente Steuerung und modulare Konzept kann der celluveyor ohne große Aufwand erweitert oder an neue Anforderungen angepasst werden. Dadurch ist die Technologie stufenlos skalierbar.

Welche Vorteile und Nutzen bietet der celluveyor gegenüber herkömmlichen Intralogistiksystemen?
Wegen seiner hohen Flexibilität ist der celluveyor für alle denkbaren Aufgaben der Fördertechnik geeignet. Der modulare Aufbau, die hohe Anpassungsfähigkeit und der geringe Platzbedarf erfüllen alle Anforderungen an zukünftige Intralogistiksysteme und eine Vielzahl von notwendigen Produkteigenschaften für die Industrie 4.0. Auf operativer Ebene besitzt der celluveyor ebenso eine Reihe von Vorteilen. Die Planungs- und Umsetzungszeiten der Anlage werden deutlich verkürzt und markt- oder kundenbedingte Änderungen oder Erweiterung der Anlage sind schnell und problemlos möglich ohne die Produktion zu stören. Durch die Verwendung von identischen und kleinskaligen Modulen, die äußerst schnell ausgetauscht werden könne, werden Wartungsaufwand und –Kosten deutlich reduziert – das Ersatzteillager wird dementsprechend auf nur eine Position reduziert. Prozessbedingt sind besonders Aufgaben interessant, die eine hohe Komplexität mitbringen oder Prozesse, die eine hohe Dynamik bedingen oder durch Unsicherheiten gekennzeichnet sind.

Wie einfach kann ein Prozess umgestellt werden?
Die Gesamtfunktionalität des celluveyor kann auf Knopfdruck angepasst werden. Mit einem einfachen Software-Update und ohne mechanische Modifikationen kann das System zum Beispiel von einem einfachen Förderer mit Ausschleuser zu einem Sorter oder einem Infeeder zur Erstellung von Paketlagen für automatische Palettiersysteme umfunktioniert werden. Durch eine intuitiv zu bedienende Software, können die Bahnen auf dem celluveyor einfach definiert werden, so dass die Änderungszeit für einen Prozesswechsel sehr gering ist.

Lässt sich der celluveyor an neue Layouts anpassen?
Der zellulare Grundgedanke ermöglicht eine hohe Anpassbarkeit des Layouts der Förderanlage. Grundlage bilden einfache mechanische Verbindungen zwischen den Modulen für ein unkompliziertes Entfernen oder Hinzufügen von Modulen. Eine Änderung des Layouts des celluveyor wird dabei von der intelligenten Steuerung detektiert und entsprechend angepasst. Das System erfasst also sein Layout voll-automatisch und konfiguriert sich selbst. Größere Stillstandzeiten fallen nicht an.

Wie kann man das System für neue Anforderungen erweitern?
Die modulare Bauweise und die intelligente Steuerung bieten den Vorteil der einfachen Anpassung an Veränderungen des Fördergutstroms. Bisher wird eine Förderanlage, die an ihre Grenzen stößt, ersetzt oder durch eine zweite Anlage ergänzt. Der Celluveyor kann dagegen durch einfaches Hinzufügen oder Entfernen von Modulen an den neuen Durchsatz effizient angepasst werden.

Hier geht´s zum Film.

Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Michael Przytulla.

 

Im Rahmen des Industrie 4.0 Daily Talks präsentiert Dr.-Ing. Hendrik Thamer den celluveyor am 12.09.2017 um 13.00 Uhr auf dem VDMA-Stand in Halle B3 Stand 113.